KAPPADOKIEN - Auf den Spuren der Aposteln

24.01.2013 Noch mehr Kappadokien

Um 08.00 Uhr geht´s los: Das UNESCO-Weltkulturerbe Göreme Freilichtmuseum "steht auf dem Tagesplan. Mehmet´s Vorsicht, möglichst früh auf dieser Anlage zu sein, bestätigt sich. Eine halbe Stunde später füllt sich das Museum heerscharenweise. 


Göreme ist eine Klosteranlage, entstanden im 9. Jahrhundert nach Christus mit einer riesigen burgähnlichen Wohnanlage für die Mönchce und später noch einer zusätzlichen für die Nonnen. Das Besondere dieser Anlage ist, dass alle Gebäude in die Tuffsteinformationen hinein gehauen wurden: Klosterzellen, Kirchen, Refektorien, Versammlungs- und Vorratsräume. Aufgrund der Vielzahl der Kirchen und Refektorien kann man davon ausgehen, dass mehrere hundert Mönche und Schwestern diese Anlage bewohnten. Die letzen Bewohner verließen 1925/26 diese Anlage.








Die gesamte Anlage, in der die Kirchen, Refektorien und 
Wirtschaftsräume untergebracht sind





Der Klosterkomplex für die Mönche





Der Klosterkomplex für die Frauen



Besonders beeindruckend ist für mich die sog. dunkle Kirche (Tokali-Kirche), deren Fresken vorwiegend in den für das 11. Jahrhundert typischen Farbtönen blau und gold gehalten. Ihren Namen bekam die Kirche, weil sie nur ein kleines Fenster besaß und aus diesem Grund (im Zusammenspiel mit den relativ dunklen Fresken) eine dunkle Atmosphäre verbreitete. In diesen Kirchen, von denen zwei Wandmalereien aufweisen, ist das Fotografieren verständlicherweise verboten. Daher keine Fotos.








Schlichter Eingang zu einer großartigen Kirche



Nach diesem Kleinod stehen einige typische kappadokische Dörfer auf dem Programm, die aufs beste zeigen, wie nicht nur die wachsende Bautechnik eine Stadt prägen kann, sondern auch die politische.

Auf dem Weg zu diesen Städten passieren wir viele bemerkenswerte Tuffsteinformationen, wie z.B. die drei Schwestern. Wir haben heute aber auch schönwetterbedingt die Gelegenheit, den höchsten Berg Anatoliens, den Erciyes (3916 Meter) in der Ferne zu sehen. Mehmet steuert Aussichtspunkte an, die ein einmaliges Panorama bieten.







Die drei Schwestern





Der Erciyes-höchster Berg in Zentralanatolien





"Kraterlandschaft" Kappadokien


Das erste Dorf, dem wir einen Besuch abstatten, ist Mustafapasa (einst Sinassos), - eines der schönsten kappadokischen Dörfer. Es war im letzten Jahrhundert wirtschaftliches Zentrum Kappadokiens. 60% der Einwohner waren Griechen, die im Rahmen des Völkeraustauschprogramm das Dorf verlassen mussten. Statt ihrer kamen Türken aus dem Raum Saloniki nach Mustafapasa. Viele der griechischen Villen, die zum größten Teil aus fugenlos gesetzten Tuffsteinen erbaut sind, stehen seit dieser Zeit verlassen und verfallen. Von dieser politischen Entscheidung waren viele Dörfer in der Türkei betroffen.







Verlassene griechische Villa in Mustafapasa





Höhlenwohnungen und Lehmbauten in Einklang


Ein weiteres Dorf ist Ortahisar (wörtl. übersetzt: mittelgroße Burg). Es hat ähnlich wie Uchisar eine Bergburg. Auch Ortahisar steht stellvertretend für viele kleine kappadokische Dörfer. Die Bevölkerung wohnte zuerst in den Höhlenwohnungen, verließ diese dann zugunsten von Lehmhütten. Diese waren aber nicht erdbebensicher. Somit musste die Bevölkerung diese Lehmhütten gegen erdbebensichere Häuser eintauschen. Lehmhütten und Höhlenwohnungen verfielen. 







Jahrtausende leben hier zusammen


Im Laufe der touristischen Entdeckung von Kappadokien werden die Höhlenwohnungen und Lehmhütten nun von ausländischen Investoren aufgekauft und zu Boutique-Hotels aufrestauriert. Somit gewinnt diese Region an touristischem Zulauf -vorausgesetzt sie kann ihren Bekanntheitsgrad weiterhin steigern.







Ortahisar -"mittelgroße Burg"


Anschließend geht es in eine Teppichknüpferei, die uns nicht nur den Prozess der Teppichknüpferei erklärt, sondern auch die Bildungsmöglichkeiten von Mädchen aus den anatolischen Dörfern erläutert. Hier wird die Chance weg von der frühen Heirat hin zu selbstbestimmender Arbeit gegeben, die sich aus den häuslichen Möglichkeiten eines anatolischen Mädchens ergibt. Mädchen, die sich für das Teppichknüpferhandwerk entscheiden, haben eine 12-jährige Ausbildung. Die Schule und Ausbildung wird vom Staat bezahlt, die Eltern bekommen für jede Tochter eine Bildungsprämie vom Staat. Kinderarbeit gibt es in der Türkei nicht.

Unser Abend gestaltet sich heute locker: wir sind vom Kulturzentrum zu einem kappadokischen Abend eingeladen. Bei Rake, Folklore- und Bauchtänzen verabschieden wir uns Kappadokien.








Morgen werden wir um 08.00 Uhr nach Belek zurückfahren.

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